Süßstoffe in Light-Getränken: wie gefährlich sind sie für unseren Darm?

Die Nahrungsaufnahme von zugesetzten Zuckern hat in den letzten Jahrzehnten weltweit dramatisch zugenommen, was mit einer Zunahme von Fettleibigkeit und damit verbundenen Krankheitsbildern wie Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 einherging. Der pro-Kopf Verbrauch von Zucker wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Jahr 2016/17 auf rund 33,8 Kilogramm geschätzt [1]. Dies entspricht einer täglichen Menge von rund 93g. Zuckerhaltige Getränke machen dabei einen beachtlichen Teil der täglich konsumierten Zuckermenge aus. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland pro Kopf durchschnittlich rund 36,6 Liter Cola und Cola-Mischgetränke konsumiert.

Das Problem ist nicht das Molekül Zucker

…aber die damit verbundene erhöhte Kalorienzufuhr, da bei einem gesunden Menschen allein die Kalorienbilanz über eine Zunahme oder Abnahme entscheidet. Denn, zwei Gläser Cola á 330ml kommen schnell auf knapp 300kcal. Das macht beispielsweise bei einem Tagesbedarf von 2000kcal bereits 15% der Kalorien aus. Zum Vergleich: ein einfacher Proteinriegel schlägt oftmals mit etwa 200-250kcal zu Buche. Es wird deutlich, dass „trinkbare“ Kalorien schnell vergessen werden – sich aber auf den Tag gerechnet gut summieren können.

Light-Getränke sollen Abhilfe schaffen

Um also den täglichen Zuckerkonsum, beziehungsweise den erhöhten Kalorienkonsum, besser zu regulieren, kann es sinnvoll sein auf Light oder Zero Getränke (niedriger Kaloriengehalt bis 0kcal) umzusteigen, wenn man nicht auf ein oder zwei Gläser Süßgetränk am Tag verzichten möchte [4]. Immer wieder kommt es hier aber zu großen Unsicherheiten: sind Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam oder Sucralose wirklich so harmlos, wie behauptet wird?

Reißerische Schlagzeilen sehen Light-Getränke als Gefahr

Es ist an der Zeit mit den aus evidenzbasierter Sicht falschen Behauptungen aufzuräumen: künstliche Süßstoffe verursachen in den Mengen, in denen wir sie zu uns nehmen keinen Krebs, führen nicht zu einer Gewichtszunahme, und es gibt keinen guten wissenschaftlichen Beweis dafür, dass sie Diabetes oder Stoffwechselkrankheiten verursachen [5]. Und trotz der jüngsten Schlagzeilen gibt es definitiv keinen Grund zu der Annahme, dass sie schlecht für das Darmmikrobiom sind [2].

Light Getränke und unser Mikrobiom

Unser Darm ist ein wunderbar komplexer Ort, der aus einer Vielzahl von Organismen besteht, die sowohl die Verdauung unterstützen als auch hindern und einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit haben können. Dieses Ökosystem ist als „Darmmikrobiom“ bekannt. Derzeit wird intensiv geforscht, um zu verstehen, wie wir die Gesundheit des Darms besser fördern können. Eine aktuelle Studie [2], die in Medien für Schlagzeilen sorgte, befasste sich genau mit diesem Thema. Im Grunde genommen nahmen die Wissenschaftler einige Bakterienzellen, gossen künstliche Süßstoffe darüber und beobachteten, was passierte. In hohen Konzentrationen begannen die meisten Bakterien „gestresst“ zu werden, was den Wissenschaftlern zufolge auf die „toxische Wirkung“ der künstlichen Süßstoffe zurückzuführen war. Laut einer erstaunlichen Anzahl von Nachrichtenquellen bedeutet dies, dass künstliche Süßstoffe schlecht für Ihre Gesundheit sind. Ganz so einfach ist das aber nicht. Die Studie befasste sich nur mit einem einzigen Bakterium (E. Coli) und nur mit wenigen Stämmen. Es gibt buchstäblich Millionen verschiedener Bakterien im Darm, daher ist die Extrapolation von diesem auf alle anderen Bakterien und Bakterienstämme problematisch.

Weiterhin ergab die Studie, dass die Bakterien bei einer Konzentration von 4g pro Liter Aspartam unter Stress gerieten. Eine Cola light hat eine Konzentration von etwa 0,5g pro Liter. Das bedeutet, man müsste in etwa 8 Liter Cola light einkochen, um die Konzentration zu erhalten, die der Menge des in dieser Studie verwendeten Aspartams entsprechen. Das ist nicht wirklich repräsentativ für Menschen. Außerdem sollte schnell deutlich werden, dass es äußerst problematisch ist, diese Petri-Schalen Experimente direkt auf das menschliche Mikrobiom, das die aktuelle Forschung noch nicht einmal gänzlich durchstiegen hat, zu übertragen. Eine systematische Literaturübersicht aller im Jahr 2016 durchgeführten Studien zu künstlichen Süßungsmitteln und Darm ergab, dass derzeit nicht viele handfeste Belege dafür vorliegen, dass sie sich negativ auf menschliche Darmbakterien auswirken [3].

Das Wichtigste für Dich

Künstliche Süßstoffe sind bei Weitem nicht so gefährlich, wie sie reißerisch in (sozialen) Medien dargestellt werden. Und schon gar nicht in den Mengen, in denen sie ein Mensch pro Tag in der Regel konsumiert. Ein Glas zuckerfreie Fanta zum Mittagessen spart unnötige Kalorien, die sich sonst auf lange Sicht gut addieren. Wie immer gilt: alles in Maßen nicht in Massen.

Referenzen

[1] https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung-fischerei/versorgungsbilanzen/zucker-glukose/

[2] Harpaz et al. 2018. Measuring Artificial Sweeteners Toxicity Using a Bioluminescent Bacterial Panel. Molecules 23(10), 2454. doi.org/10.3390/molecules23102454

[3] Spencer et al. 2016. Artificial Sweeteners: A Systematic Review and Primer for Gastroenterologists. J Neurogastroenterol Motil 2016; 22(2): 168-180. https://doi.org/10.5056/jnm15206

[4] Borges et al. 2017. Artificially Sweetened Beverages and the Response to the Global Obesity Crisis. PLoS Med. 14(1). doi: 10.1371/journal.pmed.1002195

[5] Higgins et al. 2018. Aspartame Consumption for 12 Weeks Does Not Affect Glycemia, Appetite, or Body Weight of Healthy, Lean Adults in a Randomized Controlled Trial. J Nutr. 2018 Apr 1;148(4):650-657. doi: 10.1093/jn/nxy021.