Fitnesstracker beim Sport

Heute schon 10.000 Schritte gegangen? Hast du dich in den letzten 20 Minuten bewegt? Hast du diese Woche 4 Mal Sport gemacht? Hast du dein Ziel von 8h Schlaf erreicht? Schon 3 Liter Wasser getrunken? Gefühlt hat heute doch eigentlich längst jeder eine Smartwatch oder einen Fitnesstracker. Bezüglich der Messgenauigkeit, technischen Fähigkeiten und Preise dieser Geräte lässt sich eine hohe Variabilität zwischen den Modellen feststellen. Die kleinen Helferlein können eine Daseinsberechtigung haben, auch wenn einige Modelle eher glorifizierten Schrittzählern ähneln.

Wann kann ein Fitnesstracker für eine gesunde Person sinnvoll sein?

Eigentlich nur um den Ist-Zustand deiner aktuellen körperlichen Betätigungen zu evaluieren. Je nach Modell kannst du dir deine Herzfrequenz und Schritte anzeigen lassen, deinen geschätzten (!) Kalorienverbrauch errechnen lassen, deine Trainingseinheiten eintragen und deine Schlafqualität überprüfen. Wenn wir nun davon ausgehen, dass keine diese Messungen sehr genau sind, aber zumindest eine gute Richtung geben, können wir unser tatsächliches Level an täglicher Bewegung besser einschätzen lernen und entsprechende Lebensstil Änderungen vornehmen.

Braucht man einen Fitnesstracker wirklich, um zu wissen wie man sich fühlt?

Trägt man einen Fitnesstracker mal über einige Wochen, hilft es sicher um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel 10.000 Schritte pro Tag sind und wie viel Mal man in der Nacht aufgewacht ist. Aber seien wir mal ehrlich. Wenn wir uns selbst sehr gut kennen, bringt uns dieses Wissen auch keine neue Erkenntnis. Wenn du schlecht geschlafen hast, weißt du das auch ohne, dass du das Armband getragen hast. Wenn du dich am Tag zu wenig bewegt hast, spürt das spätestens dein schlechtes Gewissen am Abend. Jetzt haben wir tausende Datenpunkte über uns selbst erhoben und die Selbstoptimierungsmaschine angeschmissen. Ist doch praktisch, dass uns der Fitnesstracker ständig erinnert mal eine Runde um den Tisch zu gehen – oder? Du weißt genau wie schlecht du schläfst, wie inaktiv du die letzten 20 Minuten warst, und welche Nährstoffe du heute zu wenig gegessen hast. Die konstante Kontrolle kann aber auch ganz einfach und unbemerkt in ein Zwangverhalten rutschen.

Kann ich auf die Angaben eines Fitnesstrackers überhaupt vertrauen?

Darauf macht auch der schottische Arzt Des Spence in seinem 2015 publizierten Artikel aufmerksam. Besonders in Bezug auf Apps, die unsere Vitalparameter aufzeichnen und auswerten sagt er: „Die Wahrheit ist nun mal, dass diese kommerziell verwendeten Apps und Fitnesstracker nicht wissenschaftlich getestet und evidenzbasiert sind und somit die Tür zu viel diagnostischer Unsicherheit öffnen.“ (übersetzt und zitiert nach, Can healthy people benefit from health apps? British Medical Journal) Ein weiteres Manko der Gesundheitsapps und Fitnesstracker ist, dass dem Verbraucher keinerlei praktische und wissenschaftlich basierte Hinweise gegeben werden, um einen konkreten Zielparameter individuell zu verbessern. Häufig werden der Altersgruppe entsprechenden Vergleichswerte und allgemeingültige Bewegungshinweise gegeben.

Macht es nun tatsächlich Sinn Fitnesstracker zu verwenden?

Allgemein gesagt sind Fitnesstracker und Gesundheitsapps nette technische Spielereien, um das festzustellen, was wir ohnehin schon wissen. Jedoch sollte der Auswertung vielleicht nicht so viel Signifikanz beigemessen werden, wie es häufig der Fall ist. Besonders in Anbetracht dessen, dass die Vitalparameter- und Schlafqualitäts-Messungen keiner wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen werden und die Messgenauigkeit von vielen Gegebenheiten (z.B. Modell, Tragstelle) abhängig sind. Die Gefahr eventuell in eine übermäßige Kontrolle zu geraten und dabei das eigene Körpergefühl zu vernachlässigen ist präsent. Es ist hilfreich sich darüber bewusst zu werden, um nicht in Panik auszubrechen, wenn man mal eine Schlafphase verpasst. Verwendete Quellen: Burke et al. 2015. AHA scientific Statement: Current Science on Consumer Use of Mobile Health for Cardiovascular Disease Prevention. http://www.efsma-scientific.eu/wp- content/uploads/2015/10/Wearable-Tech.Circulation-2015-Burke-1157-213.pdf (Zugriff am 26.07.2018) Des Spence. 2015. Can healthy people benefit from health apps? BMJ. https://www.bmj.com/content/350/bmj.h1887 (Zugriff am 26.07.2018)